SORTIERT NACH[mehrfache Wahl möglich]

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Hors-champ Tromp l'oeil!

…oder wir stürzen uns aus dem Fenster - es ist schon wieder was passiert! Raum ist nicht stiller Diener, nicht Koordinatenhülle, nicht geschlossene Entität oder Bühnenbild für den sich in ihm bewegenden Menschen. Raum ist Nährboden von Lebendigem, Humus unzähliger Virtualitäten und Relationen des Geschehens. Raum überschreitet jedenfalls das architektonisch Fassbare! Raum ist Zeuge eines Aktes! Raum ist Akt! Die Frage `Was ist hier nur passiert?!´ wird dem Akt des Geschehens kriminologisch nachgehen. Anstatt über präzise Raumdefinitionen zu erklären, mutieren die Hinterlassenschaften einer Performance, die Indizien und Spuren von Aktion selbst zu Raum!
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Erster Korrekturtermin für alle Gruppen: FR 17.10.18 ab 09Uhr, Institut ./studio3
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Wir treffen uns zur Einführung ins Thema am Freitag 12.Oktober18 um 10Uhr am Institut ./studio3!!
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Raum als Hinterlassenschaft einer Performance
Unser gering umfassendes, denn menschliches Verstehen braucht den Raum als `Diener´, als Koordinatenhülle, um Wandel und Zeit überhaupt erst zu verstehen.
Kann das so stimmen, am Anfang war der Raum?

Raum sei erst als einer begreifbar, sowie man sich selbst bewege (in ihm)…..(Walter Benjamin)
Hierdurch und nicht erst durch Benjamin, sind Bewegung, also Zeit und Raum unweigerlich verknüpft. Wer aber dient hier wem?

Und ‚Raum’ hat nicht mehr ein Gerüst zu sein, innerhalb dessen sich Leben ereignet, oder ein Skelett, auf das sich Leben stützt, um nicht zu zerfließen. Eher hat ‚Raum’ eine lebende Haut zu sein, die Informationen aufnimmt, sie speichert, verarbeitet, um sie weiterzugeben (Vilem Flusser)

Flussers Verständnis von Raum überschreitet die Grenzen des architektonisch gebauten (Raumes). Anstatt Raum als eine geschlossene Entität zu begreifen, rezipiert er ihn als ein komplexes Gefüge unzähliger Virtualitäten und Relationen. Flusser verleiht dem Raum eine Art Transzendenz.  Raum als Zeuge eines Aktes!

Können wir also Raum als eine dreidimensionale Notation eines Aktes verstehen?
So begänne das architektonische Schaffen also beim Entwurf des Szenischen. Choreographen sind wir dann (Choreographie altgriechisch χορός, Tanz‘ und γράφειν, schreiben‘) . Konstrukteure des Geschehens, Gestalter der Geschichte, der Aktionen, des Happenings, des Schreckens, der Lust, des Exzesses - Planer der Furcht und des Stresses. Zeichner des Metabolismus von Aura, als Grammatik zur Syntax von Raumwerdung.

Anstatt Raumbuch und -stempel, Hinweisschildern, Funktionsprogramm und –plan erklärt allein nur noch die Frage:
Was ist hier nur passiert?

- räumlich gewordene Aktion
- Materialisierung des Feinstofflichen
- Beschreibung des Unsagbaren
- zementierte Aura

Die Raumwahrnehmung auf die Verarbeitung geometrisch numerischen Informationsgutes zu reduzieren ließe so einiges an Menschlichem außen vor und reduzierte uns auf reichlich degenerierte Rechenwesen,
denn:

 „Die Architektur überschreitet die visuelle Repräsentation (digitaler) Bilder erstens durch dramaturgische Bild-Raum-Sequenzen, welche sich in räumliche, soziale oder andere konkrete Situationen einweben; zweitens durch die Produktion physischer Präsenz durch Materialität, Gewicht ('Einfühlung') und Taktilität ebenso wie durch die Aktivierung unsichtbarer sinnlich-räumlicher Qualitäten wie Klang, Wärme, Feuchte oder Duft, -- kurz: artifizieller Atmosphären.“   Ole W. Fischer

Die Wahrnehmung einer Atmosphäre entsteht durch die Stimmungsqualität des räumlichen Gegenübers und der Befindlichkeit des Selbst. Gernot Böhmes theoretische Abwicklung in „Atmosphäre“ ist für den Informatiker und Systemanalytiker Gerhard Dirmoser Ausgangspunkt verschiedener künstlerischer Arbeiten, welche im Rahmen der Biennale gezeigt wurden. In einem performativen Prozess übersetzt Dirmoser die Werke von Künstlern in kombinierte Begrifflichkeiten und schafft damit imaginäre Atmosphären in den Köpfen der Rezipienten.

Diese assoziierten Interpretationen können Ursprung eurer Performance sein, es sind freie Verweise, Ausgangspunkt eurer Aktion.

 diverse Arbeiten:

-       performativer Farbraum (Leon Tarasewicz)
-       orale Hüpfzeitlichkeit (Gary Hill)  
-       atmende Gummizelle (Loris Cecchini)
-       Rüttlerraum (aernout Mik)
-       Performance der Dusche (Paul Pfeiffer)
-       projiziertes Möbeltheater (Eulalia Valldosera)
-       S/W Anstreicherperformance (Nedko Solakov)
-       mönchische Gebetsszene (Sergei Shutov) Meditationsmönchmaschinen
-       Ritualisierte Szenen Maskierter (U. Katzenstein)
-       „Verkehrter Ablauf“ der Schöpfung auf der Rolltreppe (M. Wallinger)  
-       Performative Katastrophen (A. Odermatt) Unfälle
-       Verfolger-Tisch (M. Dean, R. D´Andrea)
-       Schwebender Hut (Marijke van Warmerdam)
-       Landschaftsperformance – Manipulationen der Perspektive (Rob Johannesma)          
-       female schluckt male u. umgekehrt (Charles Sandison)

VERLAUF:
0 Entwurf szenischer Komposition
- Träume/performances als input oder ausgangspunkt sind denkbar
wie transformiert/reagiert raum & hülle auf Präsenz des Künstlers
die Idee vom auratischen, nicht gebauten Raum wird sichtbar gemacht

1 Übersetzung in Sagbares/Beschreibbares (imaginary places)
Werkzeuge, Objekte und andere Einflüsse der Performance (Schmerz, Dunst, Lärm, ….) im Raum werden analysiert, zusammengetragen und bilden anstatt bloßer bühnenbildnerischer Additive nun die essenziellen Bauteile  des Raumes
à Zeichnung, Film, Collage,-à Darstellung/Visualisierung der Aktion

2 auratisch zu euklidisch
mit allen dafür denkbaren Werkzeugen und Mißverständnissen in der Translation
Materialisierung des Unsagbaren

Lehrende:

Christian Dummer
Teresa Stillebacher
Jakob Breitenlechner
Judith Widauer

Lehrveranstaltung:

848213 Experimentelle Architektur 1

Semester:

WS 18-19

Termin[e]:

12.10.2018, 10.00h
Einführung
19.10.2018, 09.00h bis 23.59h
Institut ./studio3
09.11.2018, 09.00h bis 23.59h
Institut ./studio3
16.11.2018, 09.00h bis 23.59h
Institut ./studio3
30.11.2018, 09.00h bis 23.59h
Institut ./studio3
14.12.2018, 09.00h bis 23.59h
Institut ./studio3
11.01.2019, 09.00h bis 23.59h
Institut ./studio3
18.01.2019, 09.00h bis 23.59h
Institut ./studio3
25.01.2019, 09.00h bis 23.59h
Institut ./studio3
01.02.2019, 09.00h bis 23.59h
Institut ./studio3