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Anschauliches Denken

 

Microperformativity & Biomediality

 

Das Seminar vermittelt die zeitgenössischen Denkkonzepte ‘Mikroperformativität’ und ‘Biomedialität’ als Anregung für räumlich-performatives, künstlerisches und architektonisches Gestalten jenseits anthropozentrischer Skalierungen. Kulturelles Schaffen im Zeitalter von biotechnischer Manipulation und Klimawandel erfordert angesichts der Unsichtbarkeit des Mikroskopischen und der Unermesslichkeit des Makroskopischen einen Bewusstseinswandel in Körper-Raum-Zeit-Beziehungen – welchem beide Konzepte Rechnung tragen.

 

Mikroperformativität beschreibt, wie das Spektrum menschlicher Handlungen um die Aktionspotentiale von Materie, Molekülen, Bakterien, Zellen des Tierischen und des Pflanzlichen, sowie technisierte Hybridformen erweitert werden. Auf ein Individuum konzentrierte Performance-Kunst weicht einer generellen Performativität in der Kunst, die sich materiell mit medien- und wissenschaftstheoretischen, naturwissenschaftlichen und kosmologischen Fragen, jenseits des Symbolischen, beschäftigt. Mit dem Konzept von Biomedialität sind dann alle Ermöglichungsbedingungen gemeint, die sich aus der technisch manipulierten oder nutzbar gemachten Organisiertheit von Lebewesen oder biologischer Prozesse ergeben, von der mikroskopischen bis zur makroskopischen Ebene.

 

Ziel des Seminars ist, Studierenden fundierte, und aus langjähriger kuratorischer Tätigkeit stammende Hintergrund-Einblicke in resolut transdisziplinäre Praxen anzubieten, und deren Potential als ‚Humus’ für die jeweils eigene theoretische und praktische Arbeit fruchtbar zu machen. Analysiert werden zahlreiche Beispiele aus Kunst, Performance und Architektur, wobei herkömmliche Distinktionsmerkmale jener Disziplinen verschwimmen.

 

Neben Vorlesungs- und Präsentations-Einheiten (inklusive Impulsreferaten von Gästen) sowie der gemeinsamen Studie von zu Semesterbeginn bekannt gegebener Grundlagenliteratur, soll daher auch die selbstständige analytische Arbeit an Fallbeispielen sowie die Entwicklung eines eigenen Konzepts zu Ende des Seminars im Mittelpunkt stehen. Zum erfolgreichen Abschluss wird eine 2-3-seitige eigene Projekteskizze oder eine analytische Beschäftigung mit einer bestehenden Arbeit erwartet. Das Seminar findet in jeweils 3-4-stündigen Blöcken statt, deren Termine zu Semesterbeginn bekannt gegeben werden.

 

Vorbereitende Literatur:

_Hauser, Jens & Strecker, Lucie (Hg.): On Microperformativity, Special Issue, Performance Research 25.3., London: Routledge. 2020 (in print). Darin insbesondere: Hauser, Jens: Microperformativity & Biomediality,  S. 12-22.

_Hauser, Jens: Biomediality and Art. In: Scott, Jill & Hediger, Irene (Hg.): Artists-in-Labs: Recomposing Art and Science. Berlin: Springer, 2016, S. 201-219.

_Hauser, Jens: Molekulartheater, Mikroperformativität und Plantamorphisierungen. In: Stemmler, Susanne (Hg.): Wahrnehmung, Erfahrung, Experiment, Wissen. Objektivität und Subjektivität in den Künsten und den Wissenschaften. Zürich: Diaphanes, 2014, S. 173-189.

Lehrende:

Jens Hauser

Semester:

WS 20-21

Termin[e]:

19.10.2020, 10.00h bis 13.00h
via Zoom