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Die tektonische Assemblage - ein symbiotisches Gefüge

Das letzte Jahrzehnt hat gezeigt, dass ein Umdenken unseres Verständnisses von Architektur im zeitgenössischen technologischen, kulturellen und ökologischen Kontext notwendig geworden ist.
Eine Architekturpraxis, die auf starren homogenen tektonischen Konzepten beruht kann den vielschichtigen Herausforderungen unserer Zeit nicht gerecht werden.

Mögliche Strategien die sich als fruchtbar für eine wandelnde Vorstellungen von Tektonik erweisen, finden sich in mehreren theoretischen Ansätzen, wie beispielsweise der Assemblage -Theorie von Manuel DeLanda, den posthumanistischen Theorien einer Karen Barad oder Donna Haraway, dem neuen Materialismus von Jane Bennett oder in der Akteur - Netzwerk Theorie von Bruno Latour und Albena Yaneva, um nur einige zu nennen.

Die Assemblage-Theorie von Manuel DeLanda, die auf den Schriften von Gilles Deleuze aufbaut, versteht das Ganze als komplexes Gefüge heterogener Teile und behandelt dementsprechend Entitäten wie biologische Organismen, Arten und Ökosysteme, als Assemblagen. Die Teile dieser Assemblagen bilden kein nahtloses Ganzes, sondern eine Ganzheit, deren Eigenschaften aus Wechselwirkungen und Beziehungen zwischen Teilen resultieren. Ebenso lässt sich die Assemblage-Theorie auch auf soziale Entitäten anwenden und ermöglicht folglich die Trennung zwischen Natur und Kultur zu durchbrechen. Zentral dabei ist die Auffassung, dass die Synthese der Eigenschaften des Ganzen nicht auf seine Bestandteile reduzierbar ist.

Über die Rolle von materiellen, physischen Objekten und Artefakten als Bestandteil eines heterogenen Gefüges, sowie über die Unterschiede und Beziehungen zwischen dem Menschen und dem Nicht-Menschlichen finden sich Ansätze in der Akteur-Netzwerk-Theorie (kurz ANT) von Bruno Latour und Albena Yaneva auch für die Architektur. Alles um uns herum wird als Netzwerk verstanden und ist miteinander und mit uns verwoben. Jeder komplexe Organismus als solcher ist nie nur einer und verändert sich im Laufe der Zeit dynamisch, in Abhängigkeit von Umwelt und anderen Faktoren.

Holobionten sind alles andere als statisch, es sind biologische Systeme, die aus einer Symbiose aus Wirt (Mensch oder Tier) und anderen Arten (z. B. Viren und Bakterien) bestehen. Wie wird Architektur zur holobiontischen Figur, zu einer Multispezies, die symbiotische Kopplungen und sich ständig entfaltende Wechselwirkungen begrüßt. Dieses Sinnbild der Verknüpfungen zwischen den Lebewesen und ihren Lebensweisen steht im Mittelpunkt unserer Auseinandersetzung.