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I'VE NEVER SEEN YOU LIKE THIS BEFORE

 

„Der Körper des Menschen ist so geformt, dass das Gesicht vom Kinn bis zum oberen Ende der Stirn und dem unteren Rand des Haarschopfes 1/10 beträgt, die Handfläche von der Handwurzel bis zur Spitze des Fingers ebenso viel, der Kopf vom Kinn bis zum höchsten Punkt des Scheitels 1/8 […] Vom unteren Teil des Kinns aber bis zu den Nasenlöchern ist der dritte Teil der Länge des Gesichts selbst, ebenso viel die Nase von den Nasenlöchern bis zur Mitte der Linie der Augenbrauen. Von dieser Linie bis zum Haaransatz wird die Stirn gebildet, ebenfalls 1/3 […]“                                                                           Vitruv: Zehn Bücher über Architektur 3,1,2

 

 Vitruvs Theorie des wohlgeformten Menschen (homo bene figuratus) prägt bis heute unser Verständnis von Proportion und Maßstäblichkeit bzw. definiert unser Verhältnis zum Raum. Bis in die Gegenwart inspiriert die Anthropometrie viele Künstler. Insbesondere Leonardo da Vincis „vitruvianischer Mensch“ (1490) aber auch Le Corbusiers „Modulor“ (1955) machten den 183cm großen Menschen zum Zentrum mathematischer Maß-, Proportions- und Ordnungssysteme, die viel deutlicher unsere anthropogene Selbstwahrnehmung veranschaulichen, als den Versuch unternehmen, den Menschen als Modul eines übergeordneten Systems zu profilieren. Da vermag auch der Verweis auf den Goldenen Schnitt oder das Einschreiben in das geometrische Problem der Quadratur des Kreises nichts daran ändern, vielmehr erscheint diese Bezugnahme wie eine Vorahnung auf die bevorstehende vom Menschen erzeugte Apokalypse.

Jede visuelle Beschreibung ist eine Mitteilung an die Zukunft und jede Gegenwart erfordert einen kritischen Blick darauf. Unsere Kultur des Sehens und Wahrnehmens als erlernte Befähigung sind stark mit der Idee der Proportion, basierend auf dem Humanismus, verbunden. Die posthumane Kritik richtet sich gegen das humanistische Ideal vom Mensch als Maß aller Dinge, als universellem Repräsentanten, als auch gegen die Hierarchie der Arten. Sie versucht die Selbstgefälligkeit des menschlichen Seins zu stören und die Definition des Menschseins neu zu schreiben, indem sie den Begriff der Identität erweitert und die traditionellen Vorstellungen von Menschlichkeit und menschlichem Zustand hinterfragt.

Indem die Posthumane Kritik die Vorstellung des Humanismus als eine voreingenommene Illusion entlarvt und die menschliche und tierische Verstrickung anerkennt, widerspricht sie den bequemen Annahmen des humanistischen Denkens und seinen speziesspezifischen Unterscheidungen. Dies erfordert Empathie, erfordert die Fähigkeit sich in andere hinein zu versetzen, ihre Vorstellungskraft zu erlangen und das Selbst zu verändern um es als Grundlage einer neuen Wahrnehmung zu nutzen. Im Idealfall ist der Posthumanismus der Drehspiegel des Menschen, indem er einen Mangel anzeigt und ergänzt.

Aber wie entsteht eine neue Kultur des Sehens und Wahrnehmens, eine neue Ära visueller Beschreibung und Selbstbeschreibung? Muss das Sehen neu erfunden werden?

“Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.” In den Tiererzählungen von Franz Kafka werden anthropomorphisierte Tiergestalten mit menschlichen Eigenschaften und Verhaltensweisen ausgestattet um als Träger menschlicher Problembereiche zu agieren. Könnte dies eine Strategie sein, um unsere Relation - unser Verhältnis zum Raum neu zu definieren?

Neue Medien und Technologien ermöglichen eine neue Wahrnehmungs- und Wissenskultur und sind wesentlicher Bestandteil des Denk- Forschungs-und Entdeckungsprozesses. Die posthumanistische Kritik leichtfertig als Relativismus zu verurteilen wäre voreilig und könnte alternative, widerständige Konzept im Keim ersticken.

YOU AND ME BABY AIN’T NOTHIN’ BUT MAMMALS
SO LET’S DO IT LIKE THEY DO ON THE DISCOVERY CHANNEL