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SE Ausgewählte Themen der Architektur

 

Architektur und Protest

Der chinesische Aktivist und Künstler Ai Weiwie und selbst ausgebildeter Architekt, fotografierte zwischen 1995 und 2003 die Serie „Study of Perspective“ indem er auf politische und kulturellen Repräsentationsarchitekturen mit dem Mittelfinger zeigte. Diese simple Geste verharmlost fast mit seiner Schnappschuss Ästhetik die universelle und prägnante Aussage von politischer Opposition, denn diese Geste im kommunistischen China vor dem Tjiananmen Platz zu machen, der für die blutigen Niederschlagung der Studentenproteste 1989 steht, ist ein Unterschied als vor dem Berliner Reichstag im gegenwärtigen demokratischen Deutschland. Architektur steht für unterschiedliche Repräsentationsräume kultureller und politischer Systeme.

Der Schweizer Künstler Christoph Büchel reagierte im Rahmen der Ausstellung im Salzburger öffentlichen Raum: Kontrakom im Sommer 2006 auf die Arbeit seines österreichischen Kollegen und Künstler Hans Schabus, der am Eingang des Mirabellgartens eine Holzverblendung aus zufällig angeordneten Baulatten montierte und damit die Sicht auf den beliebtesten Postkartenausschnitt und damit das Wahrzeichen des Parks, verstellte. Büchel reagierte auf die allgemeine Stimmung in der Bevölkerung, in dem er mit Eröffnung des Festivals 2.000 Unterschriften sammelte und damit ein Bürgerbegehren initiierte. Das Institut für Politische Schönheit mietet das Nachbargrundstück des AfD Politikers Björn Höcke und installierte eine Replik des Holocaust Denkmals von Daniel Libeskind, da der Politiker sich im Duktus seines Parteiprogramms negativ zum Mahnmal äußerte. Selbst einen Besen in die Hand zunehmen vermittelt subtilen Protest, wie es Josef Beuys 1971 vor der Düsseldorfer Kunstakademie zeigte, nachdem ihm die Direktion verboten hatte, Numerus Clausus unabhängig Studierende im Lehramt aufzunehmen.

Mittels unterschiedlicher Beispiele aus der Architektur und Kunst werden Protestformen recherchiert, um selbst eine Protestformel zu finden und im Realraum zu definieren, d.h. wir analysieren Architektur, um sie zum Schriftbanner unserer Protestkultur zu übersetzen.

 

 

Bildunterschrift

Abfotografierte Katalogseite: Ai Weiwei, Study of Perspective, zwei s/w Fotografien, Titel jeweils Reichstag und Tjiananmen, 1995 - 2003, 90 x 127 cm. IN: Ai Weiwei, 2009, Monografie, Phaidon Verlag, S. 139. Foto: Karin Pernegger

Lehrende:

Karin Pernegger

Semester:

SOSE 2021

Termin[e]:

22.03.2021, 14.00h bis 16.00h
via Zoom
12.04.2021, 14.00h bis 16.00h
19.04.2021, 14.00h bis 16.00h
26.04.2021, 14.00h bis 16.00h
03.05.2021, 14.00h bis 16.00h
10.05.2021, 14.00h bis 16.00h
17.05.2021, 14.00h bis 16.00h
31.05.2021, 14.00h bis 16.00h
07.06.2021, 14.00h bis 16.00h
14.06.2021, 14.00h bis 16.00h