SORTIERT NACH[mehrfache Wahl möglich]

VO Transdisziplinäre künstlerische Praxis

 

OUT OF THE BOX – 8 Ausstellungsbesuche mit Florian Waldvogel und Karin Pernegger

Anhand ausgewählter Ausstellungsbesuche in Innsbruck, Tirol und den angrenzenden Bundesländern sollen aktuelle Diskurse und Theorien der zeitgenössischen Kunst besprochen und erfahrbar werden. OUT OF THE BOX, ist nicht nur der Titel der Personale des amerikanischen Architekten und Künstlers Gordon Matta-Clark (1943-1978) im Museum der Moderne in Salzburg, sondern steht für die gemeinsame Übung, die eigene Disziplin der Architektur mit gesellschaftsrelevanten und künstlerischen Fragestellungen aufzuladen. Besucht werden Ausstellung die sich kritisch mit kulturellen Konzepten der Gegenwart beschäftigen. Untersucht werden u.a. Themen wie Diversität, Gender, Klimakrise, Migration oder Post-Kolonialismus unter der Einbeziehung unterschiedlicher künstlerischen Arbeitsweisen.

 

Gelitin, Ferdiandeum Innsbruck

Seit dem 1. Juli 2021 verhelfen die vier Künstler von Gelatin den Besucher*innen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum zu neuen Blickwinkeln – auf kulturelle Werte, Tradition und die Räume der Tiroler Landesmuseen. Die Ausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum erstreckt sich über drei Ebenen und präsentiert den Besucher*innen Objekte, die im ersten Moment hässlich, rätselhaft und verstörend wirken mögen. Bei längerer Betrachtung entpuppen sich jedoch auch positive Eigenschaften wie Lebensenergie und Schönheit.

 

Otobong Nkanga, Kunsthaus Bregenz

Otobong Nkangas (1974 in Kano, Nigeria geboren) künstlerische Praxis umfasst Tapisserie, Zeichnung, Fotografie, Installation, Video und Performance. Ihre Themen sind der nachhaltige Umgang mit Ressourcen, der globale Warenverkehr sowie die Bedeutung und die Folgen von Landraub. In ihrer Arbeit setzt sie die Identität und die koloniale Geschichte einer Region mit den Erfahrungen des Körpers in Beziehung. So werden historische Erfahrungen in Nkangas Performances physisch erlebbar, während in ihren Arbeiten auf Papier die wechselseitigen Abhängigkeiten von Land, Einwohnern und natürlichen Ressourcen anschaulich werden. 

 

Gordon Matta-Clark, Out of the Box, Museum der Moderne Mönchsberg, Salzburg

Gordon Matta-Clark (1943–1978, New York, NY, US) zählt mit seinem radikal kritischen und am Gemeinsinn orientierten Werk zu den wichtigsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Der als Architekt ausgebildete, früh verstorbene Künstler entwickelte in den 1970er-Jahren eine fundamentale Kritik modernistischer Architektur, die bis heute nachhallt. Er zerschnitt und zerlegte Gebäude, schuf völlig neue Raumerfahrungen und gab der Architektur Impulse für ein visionäres Verständnis, das auf sozialen und ökologischen Grundlagen basiert.

 

Peles Empire, Galerie Widauer, Innsbruck

Peles Empire ist der Name einer Künstlergruppe, die seit 2005 Kunstwerke hauptsächlich auf Basis des rumänischen Schlosses Pelesschafft, welches in den Karpaten steht und in einem historisierenden Stil gestaltet wurde. In ihren Skulpturen und Installationen rekonstruieren, reproduzieren, kopieren und collagieren sie teilweise die Ausstattung des Schlosses mithilfe von Fotografien. Die Gruppe besteht aus Barbara Wolff und Katharina Stöver. Die Hinterfragung des Verhältnisses zwischen Original und Kopie und die repetitive Anwendung verschiedener Reproduktionsverfahren bilden Peles Empires Programm. Die Künstlergruppe widmet sich seit über einem Jahrzehnt dem Spiel zwischen Ursprung und Wiederholung: Die historische Bildvorlage all ihrer Werke bilden Fotografien des Schlosses Peleș in der rumänischen Stadt Sinaia. Die aktuellen Skulpturen und Rauminstallationen verweisen meist jedoch nur noch vage auf ihren durch die zahlreiche Kopie fast schon unsichtbaren Ursprung. Die Verbindung von Ausstellungsort und eigenem Werk ist ein programmatisches Prinzip für Peles Empire, das fortlaufend umgesetzt wird.

 

Riccardo Giacconi, „Options“, Tiroler Künstler:innenschaft, Kunstpavillon

Riccardo Giacconi widmet sich in seiner Ausstellung mit dem zeithistorischen Moment der „Option“ in Südtirol. Während des Zweiten Weltkriegs hatten die Südtiroler*innen die Option, entweder ins nationalsozialistische Österreich oder in andere Teile des Dritten Reichs auszuwandern, oder aber im faschistischen Italien zu bleiben. Giacconi erkundet politische Stimmungsbilder zwischen dem Zeitalter der sogenannten Südtirol-Option und dem gegenwärtigen politischen Klima in Europa. Seine Installation nutzt Volkskultur, politische Propaganda und Zeitzeugenberichte, Schattenspiele, Plakate, Film- und Tondokumente, um eine kritische Sicht auf Vorstellungen von Staatsbürgerschaft, Blut-und-Boden-Ideologie oder Migration zu gewinnen. Dieses Format bemühend, dekonstruiert er zugleich „Die zehn Gebote des Umsiedlers“, ein historisches Merkblatt, das an Optanten aus Südtirol bei ihrer Rückkehr „heim ins Reich“ ausgehändigt wurde. Giacconi spielt mit Fiktion, Abstraktion und dem Erzählen im historischen Präsens und verbindet die beiden mehr als siebzig Jahre auseinanderliegenden Zeitpunkte miteinander. Unsere heutigen Verhältnisse werden dabei durch die Linse eines vergangenen Ereignisses betrachtet. Die Ausstellung wurde 2019 vom Steirischen Herbst und dem Grazer Kunstverein beauftragt und wird für den Kunstpavillon adaptiert.

 

Miquel Barcelo, KIS, Seefeld

In Barcelós Kunst stehen Materie und Form im direkten Zusammenhang. Das prozessuale Moment des Formens und Knetens des Materials – ob Lehm, Ton, Erde oder pastose Ölfarbe – sind stets im Endprodukt spürbar. Archaische Qualitäten dominieren. Hierbei geht es um das Erinnern, das kollektive Gedächtnis des Ursprünglichen und Archetypischen. Seine Werke changieren zwischen Werden und Vergehen: Sinnliche Früchte in überreifer Üppigkeit, die im nächsten Moment verrotten, zu Totenschädeln mutieren. Barceló integriert ebenso außerkünstlerische Prozesse in sein Werk, wenn der Künstler etwa Termiten seine Papierarbeiten durchlöchern lässt, oder Kaminasche seines Ateliers die Leinwand schwärzt. 

 

Heidi Bucher, haus der Kunst, München

Mit Heidi Bucher (1926-1993) präsentiert das Haus der Kunst eine bedeutende und wiederzuentdeckende Künstlerin der internationalen Neo-Avantgarden, die mit ihren Latex-Werken die Zwänge und Befreiungsprozesse menschlicher Existenzformen ergründet. Mit ihrer performativen Arbeit lenkt sie den Blick auf den Körper im Raum, dem sich Erlebnisse, Beziehungen und Emotionen einschreiben. Die Retrospektive stellt erstmals alle zentralen Werkgruppen der Öffentlichkeit vor, von den Anfängen über die experimentelle Zeit in Los Angeles und New York, das Hauptwerk mit den Architektur-Häutungen bis zum auf Lanzarote entstandenen Spätwerk.

 

_4 Termine mit Karin Pernegger (Termine könnten sich noch ändern):

*Otobong Nkanga, Kunsthaus Bregenz

Termin: Donnerstag, den 28.10., 14.30 Uhr (Abfahrt ÖBB in IBK 11.48 Uhr)

 

*Gordon Matta-Clark, Out of the Box

Museum der Moderne Mönchsberg, Salzburg

Termin: Samstag, 13.11., 10.30 Uhr (mit Teilnahme am Symposium, Abfahrt ÖBB in IBK 8.17 Uhr)

 

*Riccardo Giacconi, „Options“, Tiroler Künstler:innenschaft, Kunstpavillon

Termin: Montag, den 29.11.2021, 14 Uhr

 

*Ausstellungsthema wird noch bekannt gegeben, Taxispalais kunsthalle tirol

Termin: Montag, den 17.01.2022

 

_4 Termine mit Florian Waldvogel:

*Oktober: Gelatin im Ferdinandeum, Innsbruck

*November: Peles Empire, Galerie Widauer, Innsbruck

*Dezember: Miquel Barcelo, KIS, Seefeld

*Januar: Heid Bucher, Haus der Kunst, München

 

 

 

Lehrende:

Florian Waldvogel
Karin Pernegger

Semester:

WS 21-22